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Ein magischer Moment

7. Sept.
4 Min. Lesezeit


Liebe Leserin, lieber Leser

Manche Erlebnisse begleiten uns ein Leben lang. Nicht, weil sie besonders gross oder spektakulär waren, sondern weil sie etwas in uns berührt haben.

Auch ich trage solche Erinnerungen in mir. Eine davon liegt schon viele Jahre zurück und ist bis heute so lebendig, als wäre es erst gestern gewesen.

Diesen besonderen Moment möchte ich nun mit dir teilen.

Ich lade dich ein, mich ein Stück zurück in meine Vergangenheit zu begleiten.

Ein magischer Moment

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, an einem mehrtägigen Seminar teilzunehmen. Die Tage waren spannend, intensiv und voller neuer Eindrücke. Doch der letzte Morgen ist mir bis heute besonders in Erinnerung geblieben.

Es war noch früh, sehr früh, als wir uns versammelten. Draussen war es dunkel und die Kälte deutlich spürbar. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg und liefen den Berg hinauf. Unser Ziel war ein abgelegener Aussichtspunkt, an den sich nur wenige Menschen verirrten. Dort angekommen, hielten wir an und warteten.


Ich wusste, weshalb wir hier waren. Wir wollten gemeinsam den Sonnenaufgang erleben. Für mich war es das erste Mal. Ich hatte zwar schon unzählige Bilder davon gesehen, doch wie es sich anfühlen würde, selbst dabei zu sein, wusste ich nicht.

Also wartete ich.


Die feuchte Erde war unter meinen Füssen spürbar. Irgendwo rauschte Wasser und die Kühle des Morgens kroch langsam durch meine Kleider. Noch war es dunkel. Die Zeit schien plötzlich viel langsamer zu vergehen. Wir standen zusammen, sprachen kaum und blickten in Richtung Horizont.


Dann hörte ich die ersten Vögel zwitschern. Fast so, als hätten sie etwas bemerkt, das meinen Augen noch verborgen blieb.

Und plötzlich veränderte sich der Himmel.

Zuerst zeigte sich nur ein Hauch von Licht. Ganz leise und beinahe unscheinbar. Doch langsam wurde es heller. Die Dunkelheit wich und dann zeigte sie sich – die Sonne.

Ich stand einfach nur da und staunte.

Ein Schauer lief durch meinen ganzen Körper. Für einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen. Alles um mich herum wurde unwichtig. Es gab kein Gestern und kein Morgen. Keine Gedanken daran, was noch zu erledigen war oder was später kommen würde.


Es gab nur diesen einen Moment.


Das Licht. Die erwachende Natur. Die Menschen neben mir und ich mittendrin.

Ein fast unbeschreibliches Glücksgefühl breitete sich in mir aus. Mir kamen beinahe die Tränen. Nicht aus Traurigkeit, sondern weil mich dieser Augenblick so tief berührte. Ich fühlte mich plötzlich wieder wie ein Kind, das etwas zum allerersten Mal entdeckt. Ich wollte nichts erklären, nichts festhalten und nirgendwo anders sein.

Ich wollte einfach nur schauen. Staunen. Da sein.


Noch eine Weile standen wir gemeinsam dort. Es brauchte kaum Worte. Jeder schien diesen besonderen Augenblick auf seine Weise zu erleben und gleichzeitig waren wir miteinander verbunden.

Irgendwann machten wir uns wieder auf den Rückweg. Mit jedem Schritt meldete sich auch das ganz normale Leben langsam zurück – und mit ihm ein ziemlich grosser Hunger.

Das anschliessende Frühstück schmeckte herrlich. Wir sassen zusammen, assen, erzählten und genossen. Doch etwas von diesem Morgen nahm ich mit. Die Freude, die Dankbarkeit und dieses tiefe Gefühl, ganz im Hier und Jetzt gewesen zu sein, begleiteten mich durch den ganzen Tag.


Viele Jahre später durfte ich noch einmal einen Sonnenaufgang erleben. Diesmal stand mein Sohn neben mir.

Und wieder war er da.


Dieser besondere Moment des Staunens.


Das Gefühl, dass für einen Augenblick nichts anderes wichtig ist als genau das, was gerade geschieht.


 

  

Reflexion

Vielleicht sind es genau diese Augenblicke, die uns für immer in Erinnerung bleiben. Momente, in denen plötzlich alles um uns herum unwichtig wird und wir einfach nur da sind.

Auch heute, viele Jahre später, kann ich mich an diesen Sonnenaufgang erinnern. Nicht nur an das Licht oder die erwachende Natur, sondern vor allem an das Gefühl, das dieses Erlebnis in mir ausgelöst hat. Dieses Staunen, diese tiefe Freude und Dankbarkeit sind noch immer da, wenn ich mich bewusst daran erinnere.


Hattest du auch schon einmal einen solchen Moment, der dich so tief berührt hat, dass du ihn bis heute nicht vergessen hast? Eine Erinnerung, die du jederzeit wieder hervorholen kannst und bei der vielleicht sogar das damalige Gefühl wieder in dir lebendig wird?

Es muss kein Sonnenaufgang sein. Vielleicht ist es ein besonderer Ort, eine Begegnung, das Lachen eines Kindes, eine Umarmung, ein Lied oder etwas ganz Unscheinbares, das für dich eine besondere Bedeutung bekommen hat.


Solche Erinnerungen können zu wertvollen inneren Ressourcen werden. Gerade an Tagen, an denen es uns nicht so gut geht, können sie uns wieder mit einem Gefühl verbinden, das uns stärkt, beruhigt oder einfach guttut.

Denn die Erinnerung gehört zwar der Vergangenheit. Doch das Gefühl, das sie in uns auslöst, entsteht im Hier und Jetzt.

Welche besondere Erinnerung trägst du in dir, die du heute für einen Augenblick wieder lebendig werden lassen möchtest?

Einladung

Oft sind es unsere Erfahrungen und die damit verbundenen Gefühle, in denen wertvolle Ressourcen liegen.

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